Drohender Ärztemangel und Überalterung der Bevölkerung erschweren zukünftig die wohnortnahe medizinische und psychosoziale Versorgung im strukturschwachen ländlichen Bereich. Gezielte und maßgeschneiderte Projekte sind notwendig, um trotz zunehmender Inanspruchnahme ein weiterhin hohes Versorgungsniveau für die ländliche Bevölkerung sicher zu stellen.

Bundesweit hat es mehrfach Versuche gegeben, junge Mediziner mit finanziellen Anreizen „auf´s Land“ zu locken. Der Erfolg blieb überschaubar – auch, weil der Tätigkeit des „Landarztes“ der Ruf anhängt, immer und überall verfügbar sein zu müssen, zur Unzeit zu arbeiten, in allen medizinischen Fragen kompetent sein zu müssen und für den großen Aufwand weniger als die Kollegen in der Stadt zu verdienen.

Sollen Ärztinnen und Ärzte motiviert werden, sich langfristig im strukturschwachen Gebiet niederzulassen, müssen ihnen attraktive berufliche und familiäre Rahmenbedingungen angeboten werden, die den heutigen Anforderungen junger Akademiker an ihren Arbeitsplatz entsprechen. Nur durch auf die Zielgruppe zugeschnittene Angebote ist eine strukturschwache Region im bundesweiten Wettbewerb um Ärzte konkurrenzfähig.

 Ein Projekt mit diesem Anspruch muss primär auf die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeitgestaltung ausgerichtet sein sowie attraktive berufliche Rahmenbedingungen adressieren. Flexible Arbeitszeiten sowie variable Arbeitszeitmodelle hinsichtlich Wochen- und Jahresarbeitszeit stellen ein Standbein dar. Proaktive Unterstützung der Familien durch Vorhalten von Kinderbetreuung für Kinder jeder Altersstufe sowie der beruflichen Orientierung der Lebenspartner ein weiteres. Die Arbeit in einem engagierten Ärzteteam, das generationsübergreifend die Patientenbetreuung übernimmt, kann die fachliche Weiterbildung und die Vermittlung der Erfahrung älterer Kollegen fördern, z.B. im Umgang mit komplexen Krankheitsbildern. Die Delegation medizinischer Leistungen und komplexer Verwaltungsaufgaben an nichtärztliche Mitarbeiterinnen ermöglicht es den jungen Medizinern nicht nur, sich ganz auf ihre Kernkompetenzen als Ärztinnen und Ärzte zu konzentrieren, sie macht auch die Arbeitszeit gut planbar.

Das Projekt „Gute Ärzte braucht das Land“ der Gemeinschaftspraxis im Bayerwald berücksichtigt diese Elemente und setzt sie mit teils schon pilotierten und prämierten sowie neuen Einzelschritten in einem innovativen Gesamtkonzept um. Wir werden dabei gefördert und unterstützt von dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit.

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